20121019

You can't save me from my misery, 
just like you can't save yourself from yours.

Verdrossen blickt sie drein, während ich schuldbewusst zu Merry hinüberlaufe. Sie wartet jetzt bestimmt schon fünfzehn Minuten auf mich, vielleicht länger. "Es tut mir leid", murmle ich. "Ich musste noch was erledigen." Dabei ist dies eine Lüge. Es stimmt, ich musste noch aufräumen, aber damit war ich längst fertig. Der wahre Grund war meine Antriebslosigkeit, aber das kann ich ihr natürlich nicht gestehen. "Ist schon ok. Ich bin so froh dich zu sehen, wir haben uns ja schon eeeeeeeeeeewig nicht mehr getroffen.", ruft sie aufgeregt. Das ist zwar korrekt, doch ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie sich jemals besondere Mühe gemacht hat, Zeit mit mir zu verbringen. "Ich muss dir ja so viel ERZÄHLEN, du glaubst es nicht..." und schon redet sie los. Sie redet und redet und redet und ist gar nicht mehr aufzuhalten. Ich höre zu, setze eine gespannte Miene auf, lache hier und da um es authentisch wirken zu lassen. Ich bin froh sie wiederzusehen, keine Frage, auch ich habe sie vermisst. Doch das ganze Gerede ist doch manches Mal zu viel für mich. Uns begegnen einige Leute aus der Schule, und Merry wirft sofort ein "Wow, man kann ja echt nirgendwo mit dir hingehen, ohne das dich jemand kennt." Ich entgegne ihr sofort mit einem genervten "das sind Leute aus meiner Schule, natürlich grüßen wir uns. Meine Schule hat eben ein einigermaßen gutes Verhältnis, wenn du nächstes Jahr auch kommst merkst du das schon. Ist ja jetzt nicht so als wär ich irgendwie 'fame' oder so." - "Oh doch, warte nur ab. Da kommen bestimmt noch ein paar Leute." Es ist exakt eine Person. Coco. Und diese ist ziemlich kurz angebunden, um mich möglichst schnell wieder los zu werden. Merry erzählt mir, sie habe das Gefühl, dass ich irgendwie alle kennen würde und niemand in der Lage wäre, mich zu hassen. Wie sie darauf kommt, keine Ahnung. Und sie hat ja nicht die leiseste Ahnung. Vielleicht hassen mich ja nicht viele Menschen, das kann ich nicht einschätzen. Aber mich hassen die Leute, die mir früher am meisten bedeutet haben, und es ist so hart, damit klar zu kommen, das Merrys Worte mir einen Stich versetzen, obwohl sie es bestimmt nicht böse gemeint hat. Sie lädt mich ein an ihrem Geburtstag mit Alkohol vorbeizukommen. Das ist die erste gute Idee die ich an diesem Tag gehört habe, denn auf einmal habe ich das verlangen, mir hart die Kante zu geben. Als Merry fährt, fahre ich ebenfalls nach Hause, und zwei stunden später treffe ich Helena, um mit ihr im Café Mathe zu lernen. Nun ja, Mathe ist eben... Mathe. Also mit einfachen Worten, Mathe ist nicht so unser Ding, also lassen wir das mit dem Lernen und gehen nach Netto, um uns Kaffee zu kaufen und setzen uns dann auf die Rathaustreppen. "Magst du es hier?" fragt sie mich irgendwann. "Wo, hier?" - "Na, hier. Hier in dieser Stadt." - "Achso." entgegne ich. "Nein, nein eigentlich überhaupt nicht. Und du?" - Nein, ich auch nicht. Irgendwann, irgendwann werde ich studieren und von hier fort gehen." - "Das mach ich auch. Und wenn es so weit ist, werde ich dieser gottverdammten Stadt den Rücken zukehren und nie wieder ein Blick zurückwerfen."

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